Kara Tepe - eine neue Katastrophe bahnt sich an

Das neue Flüchtlingscamp auf Moria ist eine Zeltstadt und wurde innerhalb weniger Wochen aufgebaut. Kara Tepe liegt ca. fünf Kilometer von Moria entfernt, auf einem ehemaligen Schießübungsplatz der Armee, direkt an der Küste.

Es wird als "temporäres Camp" beschrieben, wobei temporär sicher sehr relativ sein wird. Bis jetzt gibt es auch noch keine offiziellen Informationen, was mit der Ruine Moria passieren wird. In Kara Tepe wurden die Zelte direkt auf den sandigen Boden gestellt, was sich jetzt rächt, denn die meisten Zelte stehen unter Wasser. Matratzen sind feucht und schimmeln.
Bis Ende September wurden 9500 Personen im Camp registriert.

EuroRelief, unser Partner vor Ort, ist wieder für die Registrierung der Personen zuständig. Es wurden verschiedene, zum Teil isolierte, Bereiche geschaffen, für Personen die speziellen Schutz benötigen: Familien, Frauen, Minderjährige, aber auch mit Covid infizierte Personen.

Bei der Verteilung von Lebensmitteln fragte ein Flüchtling einen unserer freiwilligen Mitarbeiter: "Ist EuroRelief im neuen Lager?" -  "Ja", meinte unser Mitarbeiter. "Das ist gut, dann werde ich auch dorthin gehen", meinte der Flüchtling daraufhin.

EuroRelief der Partner des Vertrauens für die Flüchtlinge, aber auch unser verlässlicher Partner vor Ort.

Ab 18.12. wird unsere Mitarbeiterin Margit Eichhorn vor Ort sein. Nach einer dreitägigen Quarantäne wird sie dann für ca. sieben Wochen das Team vor Ort unterstützen. Margit ist klinische Psychologin und Traumatherapeutin. Wir sind gespannt auf ihre ersten Eindrücke vor Ort.

Katastrophe im Lager Moria

Das Camp Moria auf Lesbos wurde am 9. September aufgrund mehrerer Feuer evakuiert. Wieviele der Bewohner dabei verletzt wurden, ist noch unklar. Mitarbeiter von GAiN sind nicht zu Schaden gekommen.

Die Geflüchteten haben ihre wenige Habe verloren und sind sehr verzweifelt. Nahezu 13.000 Menschen sind nun obdachlos. Es fehlt ihnen an den existenziellsten Dingen wie Unterkunft, Nahrung und Hygieneartikeln. Die Lage im überfüllten Camp war schon vorher durch einige Coronafälle und der daraus resultierenden Quarantäne unerträglich.

Als Soforthilfe verteilte GAiN Decken und Lebensmittel aus Lagerbeständen. Wir wollen die Menschen im Camp aber auch weiterhin mit Hilfsgütern unterstützen. Momentan sind wir mit Mitarbeitern vor Ort im Gespräch und werden bald entscheiden, wie unsere weitere Hilfe konkret aussieht.

Lesbos - warum wir helfen

 

Mit der Schließung der Grenzen in Europa wurde der Weg vieler Geflüchteter nach Mitteleuropa unterbrochen. Nachdem sie um ihr Leben gerannt sind, um dem Krieg in ihren Heimatländern zu entkommen, sind diese Menschen nach einem, oft riskanten, Übersetzen mit Schlauchbooten aus der Türkei auf der griechischen Insel Lesbos gestrandet.

Im neuen Lager Kara Tepe gibt es nur mehr Zelte, die nur ungenügend Schutz vor Kälte und Nässe bieten. Viele Zelte stehen unter Wasser, Matratzen sind feucht und schimmeln. Es herrscht pure Verzweiflung. Es mangelt an Schlafplätzen, Decken, Kleidung und sanitären Anlagen.

Immer öfter machen bereits die griechischen Bewohner der Insel ihrem Unmut Luft. Es kommt vereinzelt zu Angriffen auf die Geflüchteten, aber auch auf Mitarbeiter der Hilfswerke vor Ort.

Es ist ein Pulverfass. 

Lesbos - wie wir helfen

Flüchtlinge am Rande Europas

Im Lager herrscht eine Atmosphäre von Leid, Ungerechtigkeit, Dunkelheit und so viel Hoffnungslosigkeit. Menschen stehen stundenlang Schlange, um etwas zu essen zu bekommen. Über 100 Menschen teilen sich eine Toilette! Duschen ist Luxus. Nachts trauen sich die Frauen nicht alleine in die Waschräume. Auch die Helfer verzweifeln, wenn sie die Bitten der Geflüchteten ablehnen müssen, weil es einfach an allem fehlt. GAiN hilft durch Hilfsgüter und Teams, die praktisch dort mitanpacken. Unsere Kollegen von GAiN Holland koordinieren diese Arbeitseinsätze von ehrenamtlichen HelferInnen. Die GAiNs in Holland, Deutschland, Schweiz und auch wir in Österreich sammeln fleißig für die Geflüchteten. Die Transporte erfolgen mit deutschen GAiN-Fahrzeugen.
Mehr Infos zu unserer Sammelaktion

Andrea Wegener, Mitarbeiterin von GAiN Deutschland, lebt seit November 2018 auf der Insel. Sie möchte die Welt dieser Menschen wenigstens etwas heller und hoffnungsvoller machen! Sie hilft praktisch im Camp mit und ist für die Gesamtkoordination der Arbeit von EuroRelief im Lager verantwortlich.

Lesen Sie auf Andreas Blog, was sie auf der Insel erlebt.

Andreas Blog

Ansprechpartner GAiN Austria, Administration, Patenschaften

Gloria Buttinger

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